Diverse Buchprojekte

Steidl Verlag, 2015, Roman, 176 Seiten, Hardcover, 16 Euro, ISBN 978-3-95829-047-1
Weitere Infos hier: Steidl Verlag


Klappentext:
Roland Steinberg erschafft Menschen: allesamt literarische Genies, die nur im Verborgenen geschrieben haben. Keiner von ihnen hat je existiert und doch haben sie alle einen Koffer voller Fragmente zurückgelassen. Mit seinen Installationen fiktiver Autorennachlässe und Lebensläufe gelingt Steinberg der Durchbruch in der internationalen Kunstszene. Plötzlich winken Geld und Ruhm. Doch den medienscheuen Künstler kümmert das wenig. Er will hinter die Masken des Alltäglichen blicken und fühlt sich wohler, wenn alle anderen gegangen sind. Voller Zorn und Poesie wandelt Steinberg in Berlin zwischen Licht und Schatten, erfährt dabei Freundschaft und Liebe, Einsamkeit und Verlust. Ein begnadeter Narziss, der alles zerschlagen möchte, um auf den Trümmern zu Jazzmelodien von Thelonious Monk zu tänzeln.
In seinem Debütroman widmet sich Tobias Premper ganz der Beobachtung der scheinbar nebensächlichen Dinge, schreibt Kapitel hypnotisch wie Filmszenen, erzählt die Geschichte eines rastlos Suchenden in lakonisch surrealen Szenen und lässt seinen Helden dabei dem Satz Becketts folgen, eines von Roland Steinberg hoch verehrten Autors: »Scheitern, wieder scheitern, immer scheitern, besser scheitern.«

Presse / Kommentare

Sisyphos im Aufwachraum
Hier hat einer seinen Ton gefunden: Tobias Premper lässt sein schwermütiges Genie auf Berlin prallen
Was ist eigentlich aus dem blasierten Weltekel geworden? Nach dem Sieg des Konsumismus darf man sich vielleicht nach ein wenig Existentialismus alter Schule sehnen. Und voilà, hier haben wir einen der ewig jungen Universalverwerfer, der im rhetorischen Rollkragenpulli durch Berlin stromert und in allem Alltäglichen nur den “Ausdruck armseliger Banalität” erkennt. “Erwache”, haben dem Künstler Roland Steinberg einst von Weltgeistwinden zerzauste Platanen zugeflüstert, und seither kann er nicht mehr Teil des Spiels sein. Es geht um Freiheit im emphatischen Sinne: Ein glücklicher Sisyphos zu werden, so wie Albert Camus ihn sich vorgestellt hat, setzt die Revolte gegen das Dasein, die Annahme seiner Absurdität und die Einrichtung in der Einsamkeit voraus.
Diesen ironiefreien, suizidalen Protagonisten mit Retro-Charme lässt der bislang mit Gedichten und lakonischen Miniaturen hervorgetretene Autor Tobias Premper in seinem ersten Roman auf unsere durchorganisierte, abgeklärte Gegenwart prallen. Skurrilen Humor besitzt das erwachte Radikalgenie durchaus, wie gleich zu Beginn deutlich wird. Nachdem sich Steinberg endgültig sein Lichtlein ausgeblasen hat (“Ein Mann kann allem entkommen und alles hinter sich lassen, nur sich selbst nicht”), bringen Oldtimer seine vier ehemals besten Freunde – mit dreien davon hat er gebrochen – in ein Dorf in der Lüneburger Heide. Während der Beisetzung müssen sie Roland-Masken tragen. “Als gäbe es sie alle gar nicht als eigenständige Personen.” Der Vorwurf hinter dieser Inszenierung richtet sich wohl an die gesamte Gesellschaft: Nichts wäre sie ohne echte, radikale Kunst, die sie zum Dank zur Ware degradiert.
Premper selbst verschwindet so vollständig hinter seinen Figuren wie die Trauergäste hinter der Maske. Sein anspielungsreicher, gelinde surrealer Stil ist direkt und doch ungreifbar. Was mit großem Ernst daherkommt, wird einerseits poetisch nobilitiert (“Unzählige Kirschblüten vergingen, und jedes Mal ließ sich Roland durch die herabfallenden Blüten segnen”), andererseits durch Übertreibung an die Grenze zum Lachhaften gerückt, wenn etwa der Narziss Steinberg dem ansonsten aus Berlin längst herausgentrifizierten Herrgott noch einmal mit romantischem Prometheus-Pathos entgegenschleudert: “Stramm stehen vor dir? Komm doch und hol dir meine Freiheit, meinen Willen, wenn du kannst.” Wie eine Kunstbetriebssatire wiederum lesen sich die Ausführungen zum steilen Aufstieg der Hauptfigur. Die eher triste Idee, Flohmarkt-Koffer mit Lebenswerk-Rudimenten fiktiver Schriftsteller zu befüllen (ein augenzwinkernder Verweis auf eigenen Arbeiten des Autors), macht Roland nicht zu einem weiteren Hinterhof-Konzeptkünstler, sondern zu einem weltweit gehandelten Star, der bald im Geld schwimmt. Wie der Held, der einst eine Laufbahn als Fabrikerbe ausschlug, mit dieser Versuchung umgeht, ihr erliegt, an ihr verzweifelt, bildet das Grundgerüst der Handlung.
Stark ist der Autor auch diesmal in den Miniaturen, in der atmosphärischen Verdichtung ganzer Lebensläufe auf wenige Zeilen, in der unangestrengten Versetzung des Lesers in fernste Räume, im Schildern einer Liebesnacht, die so perfekt ist, dass nur noch ein Abstieg folgen kann. Auch wenn der Roman nicht ganz mit der Leichtigkeit des grotesk-komischen Vorgängerbuches “Durch Bäume hindurch” mithalten kann, in der Anlage ein wenig zu konzeptuell erscheint und Premper schließlich allzu wild psychologisiert, darf man auf Weiteres gespannt sein, denn hier hat jemand – selten genug – einen eigenen Ton gefunden.
Oliver Jungen, FAZ, 21.1.2016

Wenn das Buch ein Schrank wäre, dann würde er sich radial in alle Richtungen im Raum ausdehnen. Als hätte man plötzlich auch hinten und seitlich Schubladen eingebaut. Die Hemden müsste man von oben einlassen, da die Tür vorne aus verspiegeltem Panzerglas bestünde. Den Schlüssel zum Schrank hätte ein Esel mit fünf Beinen gefressen und er schiene derzeit noch im Dünndarm zu gären.
Aus Geheimfächern sprängen mir bekannte Unterhosen entgegen, die mich mit ihrem Tigermuster grimmig anstarrten. Sie verwandelten sich aber in besoffene Sirenen und wedelten mit einem Brokkoli.
Kurzes Aufatmen – alles Erfindung. Dann doch Schnappatmung. Ich sollte den Brokkoli aus dem Glas trinken. Was jetzt? Ich streiche den Esel aus.
Malte Nies, Fotograf, über „Erst einmal für immer“, 19.9.2015

Ein raffinierter, vielschichtiger Roman voller Spiegeleffekte und Rätsel (…)
Manfred Bosch, Lektoratsdienste

Steidl Verlag, 2013, 96 Seiten, Hardcover, 16 Euro, ISBN: 9783869306254

Auszug aus “Durch Bäume hindurch”:

Der Mantel

Ein Mann im Mantel kam nach Hause. Im Flur der Wohnung hängte der Mantel den Menschen an die Garderobe und legte sich ins Bett. Der Mann aber blieb an der Garderobe hängen, und er sagte kein einziges Wort.
So ergeht es irgendwann allen, denen das Leben aus den Händen gleitet.

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Klappentext:
Die Kurzgeschichten von Tobias Premper spielen in vertrauter Umgebung: daheim in der Küche, auf öffentlichen Plätzen oder an einem Fluss am Waldrand. Bevölkert von Kindern, Tieren und alten Menschen werden diese Orte zu Schauplätzen absurder Komik oder huldvoller Melancholie. Prempers Figuren durchqueren bekanntes Terrain und verkörpern gleichzeitig und anrührend die Kehrseite des Alltäglichen. In ihrer bisweilen wunderlichen Eigensinnigkeit bewahren sie dabei zutiefst menschliche Regungen.

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Presse:

Artikel von David Hugendick / ZEIT ONLINE

Artikel von Johannes Schmidt /literaturkritik.de

Artikel von Erik Heier / Tip Berlin


Neue Zürcher Zeitung, 14.1.2014 (von Kathrin Klette)


Tagesspiegel, Berlin, 9.2.2014


Junge Welt, Berlin, 3.3.2014

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Statements:

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Tobias Premper: »Durch Bäume hindurch«
Die menschliche Existenz ist abgesteckt durch beunruhigende Grenzen: Endlichkeit. Einsamkeit. Unvollkommenheit. Diese Grenzen zu erkunden, bedeutet, einen Riss zu ziehen zwischen der eigenen Wahrnehmung, den eigenen Gedanken und allem, was wir allzu leichtfertig Welt nennen: die Dinge, die Kulissen und ihre Bewohner. Tobias Prempers streng gemeißelte Prosa-Miniaturen führen uns eindringlich vor Augen, was geschieht, wenn das Klappergestell der vermeintlichen Wirklichkeit in sich zusammensackt. Wir wohnen Menschen bei ihren rührend ambitionierten Versuchen bei, den Fallstricken des alltäglichen Scheiterns zu entkommen. Wir werden Zeuge von Kommunikationen, die aufeinander zielen und sich verlässlich verfehlen. Wir taumeln über eine mit Mensch und Tier bevölkerte Bühne im Theater des Grotesken und sehen im Bühnenhimmel abwechselnd Gogol und Charms schweben. Es darf, ja muss – auch in Zeiten dynamisch beschleunigter Virtualisierung – Aufgabe der Literatur bleiben, eigene Welten zu präsentieren. Eigenständige. Eigensinnige. Denn die Eine, die es bloß abzubilden gälte, gibt es nicht. Nur wer, wie Tobias Premper, durch Bäume hindurch zu gehen versteht, entlarvt die Banalität der Befürchtung, ein Stamm könnte Widerstand leisten.
(Martin Murch, Autor, 17.9.2013)

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Steidl Verlag, 2012, 288 Seiten, Hardcover, 18 Euro, ISBN: 978-3-86930-392-5).

Presse:
Artikel von Jan Oberländer / Tagesspiegel

Artikel von David Denk / taz

Artikel von Tobias Grüterich / literaturkritik.de

Artikel von Ulrich Rüdenauer / Süddeutsche Zeitung (bitte bei der SZ die Ausgabe vom 20./21.10.2012 anfordern)

Auszüge aus „Das ist eigentlich alles“

Zwei Jungs standen vor einer Haustür und aus der Gegensprechanlage drang eine
Frauenstimme: „Na, ist euch kalt?“ Und einer der Jungs antwortete: „Nein, wir haben
Angst.“

Über unberührten Schnee gehend, dachte er, neue Spuren hinterlassend: nichts
Dagewesenes gilt jetzt noch etwas, nur das, was vor mir liegt.

Dass zwei Menschen sich finden und nicht wieder verlieren, dass sie wirklich
zusammengehören, gegen alle Widerstände, das ist nur in Filmen möglich.

Ich umschloss das ausgelesene Buch fest mit beiden Händen, drückte es gegen meine
Stirn und dankte ihm (Dankesgebet an ein Buch). Dann ging ich in die Abenddämmerung
hinaus wie jemand, der sich auf lange Zeit von einem Freund verabschiedet hatte (und die
ersten Vögel sangen).

Ein Kind sagte, es möchte im Baum schlafen. Ein anderes, es wolle nicht mehr hinten
sitzen im Auto, sondern lieber vorne, auf der Motorhaube. Und noch ein Kind legte sich
still auf die Landstraße zum Spielen und das letzte Kind versuchte ein Flugticket nach
Papua-Neuguinea zu kaufen. Alle noch so jung und schon vollkommen verzweifelt.

Das habe ich immer in meiner Tasche dabei und fühle mich vollständig: einen Stift und ein
Messer (mit dem Stift erstach ich den Feind, mit dem Messer schrieb ich ein Gedicht).

Er hätte sich aus dem Fenster stürzen können. Stattdessen nahm er ein ausgiebiges Bad,
rasierte und parfümierte sich und zog seinen Sonntagsanzug an. Jetzt konnte es doch
weitergehen.

Jetzt lege ich den Stift nieder und stehe da mit leeren Händen.

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Foto-Text-Serie „Bald“, „Der unmögliche Spaziergang“, „Hermannplatz“

Die Bücher „Bald“, „Der unmögliche Spaziergang“ und „Hermannplatz“ sind die neuesten Arbeiten, die der Schriftsteller Tobias Premper mit dem Fotograf Malte Nies zusammen herausgegeben hat. Unabhängig voneinander oder in gemeinsamen „Streifzügen“ durch Berlin haben sie Beobachtungen gemacht und diese in ihrer jeweiligen Sprache zum Ausdruck gebracht. Im Zusammenführen von Bild und Text, das Nies und Premper dabei seit längerer Zeit verfolgen, vornehmlich in Foto-Text-Büchern, ist ihre Arbeit nicht darauf ausgelegt, ein Bild mit einem Text zu beschreiben oder umgekehrt – vielmehr ist ihre Wahrnehmung eine verwandte, deren Umsetzung in Texte und Fotos sich gegenseitig bereichert. Das Ergebnis, das sie mit den drei vorliegenden Büchern erzielt haben, kann einerseits subjektive Wahrnehmung auf einen Ort, andererseits aber auch ein Sich-Auseinandersetzen mit einem solchen Ort sein; letztlich ist es eine Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt, was zur einer Art Eroberung des Selbst und von Welt führt.
Die Orte, mit denen sich Nies und Premper dabei in Berlin beschäftigt haben, sind ein Baumensemble im Görlitzer Park („Bald“), ein Gebäudekomplex in der Zimmerstraße („Der unmögliche Spaziergang“) und der Hermannplatz („Hermannplatz“) in Neukölln.

Auflage: Jeweils 50 Stück, signiert, nummeriert; je Exemplar 25 Euro


(© Fotos: Malte Nies)

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Edition “Das Moos am Fuße der Ampel”

Die neue Foto-Text-Edition des Schriftstellers Tobias Premper und des Fotografen Malte Nies heißt “Das Moos am Fuße der Ampel” und erscheint in einer nummerierten und signierten Auflage von 40 Stück zum Preis von 49 Euro.

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Bremsspur

Bei “Bremsspur” handelt es sich um eine eigene Publikationsreihe von Künstlerbüchern, die Tobias Premper mit Malte Nies herausgibt.

Bremsspur 1 – “Heiratsschwindler” erscheint in einer Geschenkpapiertüte in drei verschiedenen Designs. Auf der Vorderseite befindet sich ein Aufkleber mit der Aufschrift “Ich liebe dich”. Die Geschenktüte ist auf der Rückseite mit einem weiteren Aufkleber verschlossen. Das Format beträgt 10,5 x 17 cm, in der Mitte geklammert, s/w. Auflage: 1000 Stück.

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Bremsspur 2 – “Strandverleih” erscheint als Sammlung loser Blätter auf Karton gedruckt in einer rosa Plastiktüte. Auf der Vorderseite befindet sich ein Aufkleber mit der Aufschrift “Kostet was und gehört dir trotzdem nicht.”. Die Plastiktüte hat an der rechten Seite einen Druckverschluss. Das Format der einzelnen Blätter beträgt 21 x 26 cm, zweifarbig gedruckt. Auflage: 1000 Stück.

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Bremsspur 3 – “Kreismeister” erscheint in einem Pappschuber mit jeweils 26 handgearbeiteten Seiten im Format 24x24cm. Auflage: 15 Stück (vergriffen).

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Bremsspur 4 – “Unlesbar” erscheint als zufällig ausgewähltes Buch, das mit einem gelbem Klebeband umwickelt ist, in verschiedenen Formaten. Auflage: 500 Stück.


(© Foto: Malte Nies)

Am “Tag des Buches” 2006 verhüllten Tobias Premper und Malte Nies für ein Wochenende die LITERA Buchhandlung in Hannover (Inhaberin: Hildegard George) mit insgesamt 23 Rollen Unlesbar-Klebeband.


(© Foto: Malte Nies)

Zur Unlesbar-Aktion ist eine Edition erhältlich: 20 Dokumentationsfotos inklusive Plakat mit Originalklebeband von der LITERA Buchhandlung. Auflage 40 Stück.

Bremsspur 5 – “Ohne Titel – keine Auflage”

Das fünfte Bremsspur-Buch konfrontiert den Leser mit einem Buch, das nicht als Buch existiert, sondern nur in Form eines Gesprächs, das Tobias Premper und Malte Nies geführt haben. pdf des Gesprächs auf Anfrage (kostenlos).


(© Foto: Malte Nies)